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Sexualanamnese und psychische Situation
Sinn und Zweck der Sexualanamnese
Eine sorgfältige Sexualanamnese gibt dem Arzt wertvolle Hinweise auf wahrscheinliche Ursachen der ED und ist die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung. Die Sexualanamnese muss folgende Punkte ansprechen:
- Entstehungsgeschichte (Beginn, Verlauf)
- Schwere der Störung
- Situationsabgängigkeit (Partnerin, Selbstbefriedigung, verschiedene Sexualpraktiken)
- Begleitende sexuelle Störungen (z.B. Libidomangel)
- Berufliche und allgemeine Lebenssituation
- Psychische Beeinträchtigung durch das Problem
- Partnerschaftlicher Umgang mit dem Problem
- Sexuelle Vorstellungen und Erwartungen
Fragen
Damit der Arzt ein klares Bild der Situation erhält und begründete Schlussfolgerungen ziehen kann, muss er Ihnen sehr konkrete intime Fragen stellen. Die könnten z.B. wie folgt aussehen:
- Wie äußern sich die Potenzstörungen bei Ihnen (keine Erektion, Erektion reicht nicht zum Eindringen, Erektion lässt vor dem Samenerguss [Ejakulation] nach, usw.)?
- Seit wann treten die Potenzstörungen auf?
- Sind die Potenzstörungen plötzlich aufgetreten oder hat sich der Zustand langsam verschlechtert?
- Gibt es besondere Ereignisse in Beruf, Familie und Partnerschaft, die mit dem Eintreten der Potenzstörung zusammenfallen?
- Haben Sie nächtliche oder morgendliche Erektionen?
- Gibt es Situationen, in denen Sie eine zufriedenstellende Erektion haben (Urlaub, Anschauen von erotischen Bildern, Selbstbefriedigung, Sex mit einer anderen Partnerin, usw.)?
- Hat sich Ihr sexuelles Verlangen verändert?
- Wie fühlen Sie sich körperlich? Sind Sie z.B. oft müde und abgeschlagen?
- Sind Sie oft niedergeschlagen? Leiden Sie unter Interesselosigkeit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, mangelndem Selbstvertrauen?
- Wie reagiert Ihre Partnerin auf Ihre Erektionsstörung?
- Können Sie mit Ihrer Partnerin über das Problem sprechen?
- Haben Sie eine Vermutung, was die Ursache für Ihre Erektionsprobleme sein könnte?
Dieser von uns erstellte Fragenkatalog erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder medizinische Genauigkeit. Ein allgemein anerkannter Fragenkatalog ist der "International Index of Erectile Function (IIEF)" (Rosen 1997), der allerdings als alleiniger Fragenkatalog für eine Anamnese nicht ausreicht. Der IIEF ist dazu geeignet, Veränderungen in der Erektionsfähigkeit während einer Behandlung festzustellen. Sie finden den IIEF in dem Artikel "Diagnostic Evaluation of Erectile Dysfunction". Eine deutsche Übersetzung gibt's beim Impodoc.
Ergebnis der Sexualanamnese
Die Sexualanamnese liefert u.a. Hinweise darauf, ob die Ursachen der Erektionsstörung überwiegend im organischen oder psychischen Bereich liegen. Die folgende Tabelle enthält Kriterien für diese Unterscheidung:
| Hinweise | eher organische Ursachen | eher psychische Ursachen |
|---|---|---|
| zeitl. Verlauf | allmähliches Nachlassen | plötzliches Auftreten |
| Situations- abhängigkeit |
ED tritt in allen Situationen auf | ED tritt nur in bestimmten Situationen auf:
|
| morgendliche Erektionen | oft beeinträchtigt | oft nach wie vor vorhanden |
| Risikofaktoren | Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes mellitus, Übergewicht, Rauchen, Alkoholmissbrauch, Einnahme von Medikamenten mit entspr. Nebenwirkung | Partnerschaftsprobleme, Stress, berufliche u. finanzielle Probleme, Versagensängste, unrealistische Erwartungen, Depressionen |
| Lebensalter | Männer über 40 | jüngere Männer |
Es kann nicht genug betont werden, dass diese Tabelle nur Anhaltspunkte liefert. So ist beispielsweise auf Grund der unterschiedlichen Nervenbahnen für morgendliche und sexuell ausgelöste Erektionen das Vorhandensein von morgendlichen Erektionen keinesfalls ein Beweis für eine psychische Ursache der Erektionsstörung.
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